Self Publisher wehren sich!

Zum Vorgehen gegen die Betreiber und Nutzer von lul​.to

Sechsunddreißig Autoren stellen Strafanzeige bei der Generalstaatsanwaltschaft in Bamberg gegen Unbekannt. Dieser bisher einmalige Vorgang steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Sperrung der illegalen Seite lul​.to.

Text: Mar­tin Stett

Am 21. Juni 2017 gab die Pres­se­stel­le der Gene­ral­staats­an­walt­schaft Bam­berg bekannt, dass im Rah­men eines Ermitt­lungs­ver­fah­rens der Zen­tral­stel­le Cybercrime Bay­ern in Zusam­men­ar­beit mit dem CyberCri­me­Com­pe­tence­Cen­ter (SN4C) des LKA Sach­sen am 21. Juni 2017 die Domain www.LuL. to gesperrt wur­de. Auf der ille­ga­len Platt­form wur­den u.a. 160.000 deutsch­spra­chi­ge E‑Books und 28.000 Hör­bü­cher gegen Cent-Beträ­ge zum Down­load ange­bo­ten. Dar­un­ter befan­den sich nicht nur Ver­lags­ti­tel, son­dern eine beträcht­li­che Zahl stamm­te aus Publi­ka­tio­nen, die im Eigen­ver­lag ver­öf­fent­licht wur­den.

Gegen die Betrei­ber der Web­site, die unter dem Mot­to „Lesen und Lau­schen“ für sich warb, lau­fen der­zeit umfang­rei­che Ermitt­lun­gen. Drei Beschul­dig­te befin­den sich laut über­ein­stim­men­den Medi­en­be­rich­ten in Unter­su­chungs­haft. Fer­ner wird davon aus­ge­gan­gen, dass auch Nut­zer­da­ten gespei­chert wur­den. Zur­zeit wer­den die Daten­men­gen, es soll sich um cir­ca 11 Tera­byte han­deln, von den Ermitt­lern aus­ge­wer­tet.

Das Beson­de­re im Fall lul​.to ist dazu, dass die Nut­zer zwar bereit sind, für das Ver­triebs­netz einer Pira­te­rie­sei­te Geld aus­zu­ge­ben, nicht aber für die von ihnen kon­su­mier­ten Inhal­te.

screenshot lul.to piraterie ebook hörbücher hörbuch ebooks
Die Sei­te lul​.to ist nach dem Take­down durch die Gene­ral­staats­an­walt­schaft Bam­burg und das LKA Sach­sen nicht mehr erreich­bar, statt­des­sen wir nur die­se Mel­dung ange­zeigt.

Der Take-Down hat gera­de unter den Nut­zern der Pira­te­rie­sei­te für Unru­he gesorgt. Da die Bezah­lung der Inhal­te u.a. über Ama­zon-Gut­schein­kar­ten erfolg­te, ist davon aus­zu­ge­hen, dass ein­zel­ne Kon­su­men­ten der Inhal­te zurück­ver­folgt und von den geschä­dig­ten Rech­te­inha­bern in Haf­tung genom­men wer­den kön­nen. Doch nicht nur Publi­kums­ver­la­ge dürf­ten aus die­sem Grund aktiv wer­den.

»Den zahl­rei­chen Autoren und Urhe­ber­rechts­in­ha­bern ent­stand durch die straf­ba­re Wei­ter­ver­brei­tung der Titel ein enor­mer Gesamt­scha­den, der erst nach Aus­wer­tung der tatsächli­chen Down­loads bezif­fert wer­den kann.«
Pres­se­stel­le der Gene­ral­staats­an­walt­schaft Bam­berg

Umsatzeinbrüche bei Self Publishern nach Verbreitung auf Piraterieseiten

Self-Publisher, die eigen­ver­ant­wort­li­che Unter­neh­mer sind, haben ihre Umsät­ze sehr gut im Blick und wis­sen, dass die Ver­kaufs­zah­len ihrer Neu­erschei­nun­gen erheb­lich ein­bre­chen, sobald ein Titel auf ille­ga­len Sei­ten ange­bo­ten wird. Aus die­sem Rück­gang der Ver­kaufs­zah­len resul­tiert z.B. ein Ein­bruch im Sales­rank bei Ama­zon, der sich eben­falls schäd­lich aus­wirkt.

Mit dem Take-down von lul​.to bie­tet sich nun eine in die­ser Form noch nie dage­we­se­ne Chan­ce, die ent­stan­de­nen Ver­lus­te zu kom­pen­sie­ren und gleich­zei­tig eine deut­li­che Bot­schaft an die Nut­zer ille­ga­ler Platt­for­men zu schi­cken: Näm­lich, dass es sehr teu­er wer­den kann, wenn man Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen begeht.

Sechs­und­drei­ßig Self-Publisher, deren ins­ge­samt 636 Titel auf lul​.to ille­gal ver­trie­ben wur­den, haben die­se Chan­ce erkannt und sich zusam­men­ge­fun­den und Straf­an­zei­ge erstat­tet. Die­se 36 Autoren, unter ihnen auch Best­sel­ler-Autoren der Ama­zon e‑Book-Charts, schrei­ben zwar in den unter­schied­lichs­ten Gen­res, gemein­sam ist ihnen aber der Wil­le, ihre Rech­te wahr­zu­neh­men und zu ver­tei­di­gen.

Kom­pe­ten­te juris­ti­sche Unter­stüt­zung haben sich die Autoren mit Rechts­an­walt Til­man Win­ter­ling aus der Ham­bur­ger Kanz­lei Gutsch & Schle­gel geholt, einer Sozie­tät, die für ihren Ein­satz für die Rech­te von Urhe­bern bekannt ist.

2 comments on “Self Publisher wehren sich!

  1. Lie­be Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen,
    auch ich habe bei mei­nen Recher­chen vie­le von euch dort vor­ge­fun­den, wie lei­der auch mich selbst mit allen mei­nen Büchern.
    Ich hof­fe, dass die Staats­an­walt­schaft nicht nur ermit­telt, son­dern die­se schma­rot­zen­den Betrü­ger zu einer hohen Stra­fe ver­ur­teilt.
    Geor­ge Ten­ner

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.