Wem gehören meine Rezensionen auf Amazon, Lovelybooks oder Facebook?

Per Twit­ter erreich­te mich die Fra­ge wem die Rech­te an mei­nen Rezen­sio­nen, die ich auf Ama­zon ver­öf­fent­li­che, gehö­ren und ob es von den all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) Ama­zons her zuläs­sig ist, bereits in einem Blog ver­öf­fent­lich­te Rezen­si­on auf Ama­zon eben­falls zu pos­ten bzw. umge­kehrt.

Das Recht an Rezensionen bei Amazon

Das Urhe­ber­recht an sich ist nicht über­trag­bar. Urhe­ber ist gemäß § 7 UrhG der Schöp­fer des Wer­kes und er bleibt das auch. Ama­zon lässt sich durch sei­ne AGB daher grund­sätz­lich nur die Nut­zungs­rech­te gemäß § 31 UrhG ein­räu­men. Hier heißt es unter ande­rem in Punkt 8:

Besu­cher dür­fen Rezen­sio­nen, Kom­men­ta­re und ande­re Inhal­te ver­fas­sen, […]

Dies regelt ersicht­lich für den Nut­zer nur die Mög­lich­keit über­haupt Inhal­te “für” Ama­zon zu schrei­ben. Ama­zon nimmt hier­von selbst­ver­ständ­lich belei­di­gen­de, obszön­se, ille­ga­le usw. Äuße­run­gen aus, eben­falls sol­che die Spam sind oder nur plum­pe Wer­bung, die löscht Ama­zon kom­men­tar­los. Wei­ter heißt es:

Wenn Sie Inhal­te auf der Web­sei­te ein­stel­len oder Mate­ria­li­en ein­sen­den, gewäh­ren Sie, soweit nicht ander­wei­tig gere­gelt:

(a) Ama­zon das (1) nicht-aus­schließ­li­che, (2) unent­gelt­li­che, (3) unter­li­zen­zier­ba­re und (4) über­trag­ba­re Recht zur Nut­zung, Ver­viel­fäl­ti­gung, Ände­rung, Bear­bei­tung, Ver­öf­fent­li­chung, Über­set­zung, Her­stel­lung abge­lei­te­ter Wer­ke, Ver­brei­tung und Wie­der­ga­be die­ser Inhal­te welt­weit in allen Medi­en;

Num­me­rie­rung in Klam­mern durch 54books

Ama­zon lässt sich also die Nutzungs‑, Vervielfältigungs‑, Änderungs‑, Bearbeitungs‑, Veröffentlichungs‑, Über­set­zungs­rech­te durch den Urhe­ber über­tra­gen, eben­so das Recht von den Inhal­ten abge­lei­te­te Wer­ke her­zu­stel­len, sowie das Recht die Inhal­te zu ver­brei­ten und wie­der­zu­ge­ben. Die meis­ten die­ser Rech­te sind bereits vom Namen her selbst­er­klä­rend.

Ama­zon muss sich die meis­ten die­ser Rech­te bereits ein­räu­men las­sen, um eure Rezen­si­on über­haupt auf der eige­nen Sei­te ver­öf­fent­li­chen zu dür­fen. Die Rege­lung ist daher nicht irgend­wie beson­ders aus­ufernd oder gar bös­ar­tig zu weit­ge­hend, son­dern nötig, damit das Bewer­tungs­sys­tem über­haupt zuläs­sig ist. Das Ver­viel­fäl­ti­gungs­recht braucht Ama­zon dafür eure Rezen­si­on auch für ande­re Aus­ga­ben des Buches zu nut­zen (habt ihr bei­spiels­wei­se das Hard­co­ver bewer­tet, hat Ama­zon ein Inter­es­se dar­an, die­se Rezen­si­on auch für das Taschen­buch nut­zen zu kön­nen). Das Ände­rungs-/Be­ar­bei­tungs­recht könn­te Ama­zon nut­zen, um ein­zel­ne Feh­ler zu bes­sern oder Tei­le eurer Obszö­ni­tä­ten zu ent­fer­nen ohne die gan­ze Bewer­tung zu löschen (naja als wür­de Ama­zon das machen, aber sie könn­ten). Selbst­ver­ständ­lich dürf­te Ama­zon auf­grund der obi­gen Rech­te­ein­räu­mung auch “abge­lei­te­te Wer­ke” her­stel­len, also z.B. eine Samm­lung der schlechts­ten Rezen­sio­nen, und eure in einer sol­chen ver­öf­fent­li­chen. Chan­ce und/oder Risi­ko, dass dies pas­siert, schät­ze ich aller­dings rela­tiv gering ein.

Geltungsbereich der Rechteübertragung

(1) nicht-ausschließlich

Ama­zon lässt sich die Nut­zungs­rech­te nicht-aus­schließ­lich ein­räu­men, dies heißt, dass ihr eure Tex­te wei­ter­hin frei nut­zen dürft und sämt­li­che Rech­te wei­ter auf ande­re über­tra­gen dürft.

Aber Ach­tung: ande­ren könnt ihr die­se Rech­te nun nicht mehr aus­schließ­lich ein­räu­men!

(2) unentgeltlich

Das Wort dürf­te sich für jeden, der Tex­te im Inter­net ver­öf­fent­licht, von selbst erklä­ren.

(3) unterlizenzierbar

So wie ihr auch wei­ter­hin alle Rech­te an den Tex­ten wei­ter­ge­ben könnt, kann auch Ama­zon die von euch über­tra­ge­nen Rech­te wei­ter­ver­ge­ben. Dies kann bereits not­wen­dig sein, wenn Ama­zon einem Toch­ter­un­ter­neh­men eben­falls erlaubt eure Tex­te zu nut­zen, kann aber natür­lich auch hei­ßen, dass Drit­te ein Nut­zungs­recht via Ama­zon erhal­ten.

4) übertragbar

Ama­zon darf die Rech­te nicht nur als Lizenz wei­ter­ge­ben, son­dern kann die­se auch kom­plett auf Toch­ter­un­ter­neh­men und/oder Drit­te über­tra­gen.

Unwiderrufliche Nutzungsrechte

Ama­zon will eure Tex­te nicht nur Nut­zen dür­fen, son­dern die ein­ge­räum­ten Rech­te auch behal­ten. Daher lau­ten die AGB wei­ter:

[Wenn Sie Inhal­te auf der Web­sei­te ein­stel­len oder Mate­ria­li­en ein­sen­den, gewäh­ren Sie, soweit nicht ander­wei­tig gere­gelt:]

(b) Ama­zon und sei­nen Unter­li­zenz­neh­mern und Über­tra­gungs­emp­fän­gern das Recht den Namen, den Sie im Zusam­men­hang mit die­sen Inhal­ten ein­sen­den, zu ver­wen­den.

Habt ihr also unter Klar­na­men oder Kat­zen­kit­tys Bücher­him­mel eine Bewer­tung auf Ama­zon ver­öf­fent­licht, erlaubt ihr, dass die­ser Name von Ama­zon im Rah­men der Zugäng­lich­ma­chung genutzt wer­den darf.

Sie stim­men zu, dass die Rech­te, die Sie oben ste­hend ein­ge­räumt haben, unwi­der­ruf­lich wäh­rend der gesam­ten Schutz­dau­er Ihrer Imma­te­ri­al­gü­ter­rech­te, die im Zusam­men­hang mit die­sen Inhal­ten und Mate­ria­li­en ste­hen, gewährt sind. […]

Das gro­ße A hat kei­ne Lust dar­auf sich mit euch aus­ein­an­der­zu­set­zen, wenn ihr ihnen die Rech­te, aus wel­chen Grün­den auch immer, wie­der ent­zie­hen wollt. Daher ist in den AGB vor­ge­se­hen, dass die Nut­zungs­rech­te, wur­den sie ein­mal ein­ge­räumt, nicht mehr (kom­plett) an euch zurück­fal­len kön­nen. Ver­ständ­lich bei einem Rie­sen­kon­zern, viel­leicht doof für euch. Bis zum Aus­lauf eures Urhe­ber­rechts, in der Regel also erst sieb­zig Jah­re nach dem Tod des Rezen­sen­ten, behält Ama­zon daher die Nut­zungs­rech­te, kom­me was wol­le.

Duplicate Content

Ama­zon ver­bie­tet euch daher nicht, eure Rezen­sio­nen im eige­nen Blog oder ande­ren Platt­for­men zu nut­zen. Dies kann aber aus SEO-tech­ni­schen Grün­den ungüns­tig sein, das ist aber ein Kapi­tel für sich.

Die aktu­el­le Ver­si­on der Ama­zon AGB ist hier abruf­bar.

[Stand der AGB Ama­zons und des hier­auf auf­bau­en­den Bei­trags ist der 8. Mai 2016]

Die Regelungen bei Lovely​books​.de

Die Lese­platt­form Lovely­books benö­tigt selbst­ver­ständ­lich eben­falls bestimm­te Rech­te, um eure Rezen­sio­nen, Kom­men­ta­re und Bewer­tun­gen ver­öf­fent­li­chen zu kön­nen. Die­se sind weni­ger weit­ge­hend als bei Ama­zon, was unter ande­rem auf­grund des ein­ge­schränk­te­ren Nut­zungs­be­reichs zu erklä­ren ist, denn lovely­books ver­steht sich momen­tan nur als Bewer­tungs- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­platt­form, wäh­rend Ama­zon einen sehr viel wei­te­ren Bereich abde­cken will. Bei Lovely­books heißt es daher in § 7 der AGB:

(2) Der Nut­zer räumt about­books [Betrei­ber GmbH von lovely­books] ein räum­lich und zeit­lich unein­ge­schränk­tes, kos­ten­lo­ses Nut­zungs­recht an den von ihm in sei­nem Bücher­ka­ta­log ver­öf­fent­lich­ten Inhal­ten, ins­be­son­de­re an den Bewer­tun­gen, Rezen­sio­nen und Kom­men­ta­ren ein. Das Nut­zungs­recht erfasst ins­be­son­de­re das Recht, die Inhal­te online im Inter­net öffent­lich zugäng­lich zu machen, sowie in Print­me­di­en abzu­dru­cken und zu ver­öf­fent­li­chen.

Auf­fal­lend im Gegen­satz zu Ama­zon ist, dass Lovely­books kei­ne Rege­lung zum Wider­ruf vor­sieht. Ich gehe daher davon aus, dass ihr eure Rech­te jeder­zeit zurück­ru­fen könnt. Auch bei Lovely­books ist die Rech­te­über­tra­gung nicht exklu­siv, ihr dürft die­sel­be Rezen­si­on also auch auf ande­ren Platt­for­men nut­zen.

[Stand der AGB von lovely​books​.de und des hier­auf auf­bau­en­den Teils des Bei­trags ist der 9. Mai 2016]

Rechteübertragung an Facebook

Sämt­li­che oben­ge­nann­ten Grund­sät­ze gel­ten auch für Face­book. Das Netz­werk hat sehr zer­glie­der­te Nut­zungs­be­din­gun­gen, was dem User eigent­lich hel­fen soll sich zurecht zu fin­den, meist aber doch eher für Ver­wir­rung sorgt. Die rele­van­te Pas­sa­ge fin­det man momen­tan auf der Unter­sei­te Terms unter 2. (Tei­len dei­ner Inhal­te und Infor­ma­tio­nen) heißt es unter Nr. 1 dort:

Für Inhal­te, die durch Rech­te am geis­ti­gen Eigen­tum geschützt sind, wie Fotos und Vide­os (IP-Inhal­te), erteilst du uns aus­drück­lich nach­fol­gen­de Geneh­mi­gung, vor­be­halt­lich dei­ner Ein­stel­lun­gen für Pri­vat­sphä­re und Apps: Du gewährst uns eine nicht-exklu­si­ve, über­trag­ba­re, unter­li­zen­zier­ba­re, gebüh­ren­freie, welt­wei­te Lizenz für die Nut­zung jed­we­der IP-Inhal­te, die du auf bzw. im Zusam­men­hang mit Face­book pos­test (IP-Lizenz). Die­se IP-Lizenz endet, wenn du dei­ne IP-Inhal­te oder dein Kon­to löschst; es sei denn, dei­ne Inhal­te wur­den mit ande­ren geteilt und die­se haben die Inhal­te nicht gelöscht.

Bei Face­book ist die Rech­te­über­tra­gung aus­drück­lich wider­ruf­lich und endet mit der Mit­glied­schaft (anders als bei Ama­zon!). Die Platt­form weist aber im Fol­gen­den dar­auf hin, dass ein ein­fa­ches Löschen der Inhal­te nicht zwangs­läu­fig dafür sorgt, dass die­se aus dem Netz und Netz­werk ver­schwin­den und außer­dem Inhal­te und Infor­ma­tio­nen für jeder­mann sicht­bar und indi­vi­dua­li­sier­bar sind, wenn sie mit der Ein­stel­lung „Öffent­lich“ bei der Ver­öf­fent­li­chung ver­se­hen wur­den.

[Stand der AGB von Face­book und des hier­auf auf­bau­en­den Teils des Bei­trags ist der 9. Mai 2016]

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