Wie kommen Verlage an die Beteiligung der VG Wort?

Ende letz­ten und Anfang die­sen Jah­res began­nen die Ver­la­ge Brie­fe an ihre Autoren zu ver­sen­den. Mit unter­schied­li­chen Argu­men­ten und irgend­wo zwi­schen bet­telnd, fle­hend und gut zure­dend, woll­te man sei­ne Autoren dazu­brin­gen auf die Rück­zah­lung durch die VG Wort zu Guns­ten des Ver­la­ges ver­zich­ten. Die Begrün­dung hier­für war viel­fäl­tig, im End­ef­fekt geht es aber schlicht dar­um, irgend­wie an die­se Euros zu kom­men, mit denen man trotz des sich deut­lich abzeich­nen­den Urteils und der kla­ren Rechts­la­ge gerech­net hat­te.

Zum Ein- und Weiterlesen:

BGH: Vogel gegen VG Wort (Teil 1) – Die recht­li­chen Grund­la­gen
BGH: Vogel gegen VG Wort (Teil 2) – Die Argu­men­te

Nicht unin­ter­es­sant, bis­lang aber – zumin­dest in der öffent­li­chen Dis­kus­si­on – unbe­ach­tet, dabei von immenser wirt­schaft­li­cher Bedeu­tung ist aber viel­mehr die Fra­ge, ob die Ver­la­ge über­haupt ihre Autoren anbet­teln müs­sen oder es nicht ande­re Wege gibt, die Betei­li­gung zu erhal­ten. Viel­leicht hät­te man statt Unken­ru­fen oder einem Sturz ins Mes­ser mal einen Juris­ten fra­gen sol­len, wie man ohne das Gesicht zu ver­lie­ren, denn Bet­teln kratzt ja durch­aus am Selbst­wert­ge­fühl, an die kommt.

Die vertragliche Grundlage zwischen Verlag und Autoren

vg wort verlage beteiligung vogel

Der BGH hat fest­ge­stellt, dass die direk­te Aus­schüt­tung von der VG Wort an die Ver­la­ge, für den Fall, dass die Rech­te vom Autor bereits vor Ver­trags­schluss mit dem Ver­lag auf die Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft über­tra­gen wur­de, nicht recht­mä­ßig erfol­gen kann. Die logi­sche Kon­se­quenz ist also die Über­le­gung direkt an den Autor „zu gehen“. Dass Autor und Ver­lag eine beson­ders enge, häu­fig emo­tio­na­le Bin­dung pfle­gen, ist bekannt und liegt in der Natur der Sache. Trotz­dem wird auf Grund­la­ge von Ver­trä­gen gear­bei­tet und die­se Ver­trä­ge sehen in der Regel fol­gen­des vor:

Der Autor räumt dem Ver­lag schließ­lich für die Dau­er des Ver­tra­ges alle durch die Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft WORT wahr­ge­nom­me­nen Rech­te nach deren Sat­zung, Wahr­neh­mungs­ver­trag und Ver­tei­lungs­plan zur gemein­sa­men Ein­brin­gung ein. Der Autor ist damit ein­ver­stan­den, dass der Ver­lag den ihm nach den jeweils gel­ten­den Ver­tei­lungs­plä­nen der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft WORT zuste­hen­den Ver­lags­an­teil direkt aus­ge­zahlt erhält. Der Autoren­an­teil bleibt davon unbe­rührt.

Norm­ver­trag für den Abschluss von Ver­lags­ver­trä­gen des VS und des Bör­sen­ver­ein des Deut­schen Buch­han­dels

Wenn das aber nicht direkt funk­tio­niert, wie ein gan­zer Instan­zen­zug bestä­tigt, liest man den Ver­lags­ver­trag wei­ter.

Der Autor ver­si­chert, dass er allein berech­tigt ist, über die urhe­ber­recht­li­chen Nut­zungs­rech­te an sei­nem Werk zu ver­fü­gen, und dass er bis­her kei­ne den Rechts­ein­räu­mun­gen die­ses Ver­tra­ges ent­ge­gen­ste­hen­de Ver­fü­gung getrof­fen hat.

Norm­ver­trag für den Abschluss von Ver­lags­ver­trä­gen des VS und des Bör­sen­ver­ein des Deut­schen Buch­han­dels

Ok, hat der Autor ver­si­chert, hat er aber (manch­mal) falsch ver­si­chert. Der Autor hat Rech­te “über­tra­gen”, die er nicht über­tra­gen konn­te – weil sie eben schon bei der VG Wort waren. Eine sol­che Ver­si­che­rung oder Garan­tie wäre aber wert­los, wenn sie kei­ne Fol­gen aus­lö­sen wür­de. Das heißt, dass der Ver­lag vom Autor genau das ver­lan­gen kann, was er ihm ver­trag­lich zuge­si­chert hat, näm­lich den ent­spre­chend Anteil an den Aus­schüt­tun­gen der VG Wort. Muss man hier­für lieb bit­ten? (Kann man.) Nein, man hat hier­über einen Ver­trag geschlos­sen. Man kann dem Autor also schlicht mit­tei­len: “es gibt ein Urteil, aber wir haben einen Ver­trag und: (1) die bereits gezahl­ten Aus­schüt­tun­gen blei­ben bei uns, (2) die zukünf­ti­gen Aus­schüt­tun­gen zahlt zwar nicht die VG Wort direkt an uns, aber wenn Du sie erhal­ten hast, gibst Du uns Dei­nen Anteil wei­ter.”

Ist das unfair den Autoren gegenüber?

Nein! Man hat im Vor­feld einen Ver­trag aus­ge­han­delt, in dem expli­zit auf die Ver­tei­lungs­pra­xis der VG Wort Bezug genom­men wur­de. Die­se ist den Autoren meist bereits bekannt oder auf Nach­fra­ge oder mit Goog­le­re­cher­che leicht her­aus­zu­fin­den. Dass Autoren sich von Fach­leu­ten – nicht also Agen­ten – bei sol­chen Fra­gen bera­ten las­sen soll­ten, ist offen­sicht­lich. Sämt­li­che Dis­kus­sio­nen – die rechts­po­li­tisch durch­aus frucht­bar sein kön­nen – über die (Un-)Fairness von Gerichts­ver­fah­ren auf­grund einer ein­deu­ti­gen Rechts­la­ge und den wirt­schaft­li­chen Bestand von Ver­la­gen in Zukunft, hät­te man sich erspa­ren kön­nen, wenn man sei­ne Ver­trä­ge lesen wür­de oder sei­nen Haus-und-Hof-Juris­ten gefragt hät­te.

Stänkern statt betteln?

Wie man die­se ein­deu­ti­ge Rechts­la­ge dann mit sei­nem Autor umsetzt, ist eine Fra­ge des ver­le­ge­ri­schen Geschicks. Statt Bet­tel­brie­fen muss man ja nicht zwangs­läu­fig Dro­hepis­teln ver­sen­den, aber einer Argu­men­ta­ti­on auf ver­trag­li­cher Grund­la­ge ent­zie­hen sich die Wenigs­ten. Den­je­ni­gen Ver­la­gen, die sich von ihren Autoren kei­ne Garan­tie bei der Rech­te­über­tra­gung geben las­sen, ist sowie­so nicht mehr zu hel­fen.

[Die­ser Bei­trag beruht aus­schließ­lich auf der per­sön­li­chen Mei­nung des Ver­fas­sers. Es soll zu kei­nem Zeit­punkt in Fra­ge gestellt wer­den, dass die Ver­la­ge ein vita­les Inter­es­se an den VG Wort Gel­dern haben {es geht schließ­lich um Geld}. Was in Fra­ge gestellt wer­den kann, ist das Vor­ge­hen und Ver­hal­ten sowohl der Ver­la­ge, als auf der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft sowie des Bör­sen­ver­eins und wei­te­rer Betei­lig­ter vor und nach dem Vogel-Urteil, das von einer wirt­schaft­li­chen und ratio­na­len Betrach­tung voll­stän­dig in eine emo­tio­na­le Aus­ein­an­der­set­zung und das Abste­cken von Claims gemün­det ist, dabei aber die ver­trag­li­chen Rea­li­tä­ten aus den Augen ver­lo­ren hat.]

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.